Das Match im Online-Handel: Regional gegen multinational

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Grätzel-Online-Shops wie jener vom Schwendermarkt im 15. Wiener Gemeindebezirk zeigen konkret auf, wie sich kleine, spezialisierte Händler gemeinsam vermarkten können. Auf nationaler Ebene jedoch regieren zurzeit noch die multinationalen Online-Konzerne, wie das Finanzministerium nun für das Jahr 2020 in Zahlen darstellen konnte.

Im ersten Lockdown des vergangenen Jahres beschlossen die Betreiberinnen und Betreiber eines Standes am Wiener Schwendermarkt, ihre auch über einen Onlineshop angebotenen regionalen Lebensmittel und vegetarischen Gerichte mit dem Fahrrad direkt zum Kunden zu bringen. Da sie mit den anderen Standbesitzerinnen und -besitzer gut vernetzt sind, wurden auch deren Produkte mit ausgeliefert – heute sind es 16 Betriebe, die sich über die Plattform gemmazone.at anbieten. Damit werden mittlerweile etwa Bücher, Blumen, Kleidung, handgemachte Seifen und Mittagessen per Lastenrad unter der Woche in drei, am Freitag sogar in sechs Bezirke geliefert.


Handarbeit und Nachhaltigkeit als Marktnische

Entscheidend für den Erfolg scheint die Regionalität und Vielfalt der Produkte, nicht der billigste Preis: Handarbeit und Nachhaltigkeit werden von der Kundschaft offenbar hochgeschätzt. In der Zwischenzeit kümmert sich ein Mitarbeiter hauptsächlich um die Online-Plattform, zudem ist eine Ausweitung der Lieferfenster angedacht. Die Grenze des Liefergebietes gibt jedoch jene Zeit vor, in der die Gerichte noch warm an Kundinnen und Kunden lieferbar sind.


Franchisemodell für andere Regionen

Doch die Betreiberinnen und Betreiber denken in eine andere Dimension weiter: So könnte sich – nach einem Franchisemodell – eine Art von Agentur um Webshop, Werbung und Logistik kümmern und über monatliche Grundkosten für diese Komponenten finanziert werden. Als Vision schwebt den Kreativen dabei ein Netzwerk von Zonen ihrer Art vor, die dann gemeinsam ein weit größeres Gebiet abdecken.


Ausländische Versandhändler erzielten 2020 4,4 Milliarden Euro Umsatz in Österreich

Trotz erfolgreicher Modelle wie jenes vom Schwendermarkt liefern die Zahlen, die das Bundesministerium für Finanzen jetzt für den Online-Markt im Jahr 2020 vorlegt, ein anderes Bild. Demnach stiegen die Umsätze aller in Österreich registrierten Versandhandelsunternehmen von 4,6 Mrd. Euro im Jahr 2019 um
24 Prozent auf 5,7 Mrd. Euro 2020. Dabei konnten österreichische Versandhandelsunternehmen ihre Umsätze von an die 1,2 Mrd. Euro im Jahr 2019 um 13 Prozent auf rund 1,3 Mrd. Euro im vergangenen Jahr erhöhen. Die Umsätze von in Österreich registrierten, ausländischen Versandhändlern stiegen im Jahr 2020 jedoch um rund 30 Prozent von rund 3,4 Mrd. Euro auf rund 4,4 Mrd. Euro.


Gerechte Besteuerung von internationalen Konzernen noch offen

In- und ausländische Händler lieferten damit gemeinsam eine Umsatzsteuer in Höhe von insgesamt 944,5 Mio. Euro nach 770 Mio. Euro 2019. Doch ausländische Unternehmen ohne Sitz und Betriebsstätte in Österreich zahlen im Gegensatz zu heimischen Unternehmen keine Gewinnsteuern. Dazu braucht es eine gerechte Besteuerung von internationalen Konzernen und Gerechtigkeit für die heimischen Unternehmen – hier hat Österreich mit der Digitalsteuer bereits eigenständig einen ersten Schritt gesetzt. Diese Steuer, mit der die Onlinewerbung internationaler Konzerne in Österreich besteuert wird, belief sich bereits im ersten Bestandsjahr auf 43,1 Mio. Euro. Daher ist auch die Besteuerung der Gewinne internationaler Versandhandelsunternehmen ein Gebot der Stunde. Und es gibt bereits Zeichen für eine internationale Lösung, die bis Mitte des Jahres 2021 erwartet wird.


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