Cyberkriminelle haben in Pandemie-Zeiten Hochkonjunktur

"Die Lockdowns haben die Internetkriminalität beschleunigt", stellte kürzlich Kontrollinspektor Werner Schweiger, Beamter der Kriminalprävention des Wiener Landeskriminalamtes (LKA) fest. "Sie haben ein Paket erhalten" oder "Paketzustellung ihrer Lieferung nicht möglich". SMS mit Texten wie diesen und einem Link, den man für mehr Infos anklicken soll, bekommen derzeit zahlreiche Menschen in Österreich, auch wenn sie keine Internetbestellung erwarten.

Die Masche mit den SMS nennen die Experten "SMishing", zusammengesetzt aus SMS und Phishing, und dient zum Daten-Absaugen. Die Kurznachrichten werden ebenso wie Werbemails von vorgeblich seriösen Webshops immer öfter verschickt. "Die Internetbetrugszahlen schießen uns durch die Decke", sagte Schweiger in einem Medien-Gespräch. Dabei bauen die Täter immer raffiniertere Fakehomepages. Wer diese von den echten Online-Shops unterscheiden will, muss sehr genau schauen und einiges an Recherche- und Überprüfungsarbeit leisten.

Cybercrime ist grenzüberschreitend

Internetbetrug hat für die Täter einiges an Attraktionen zu bieten: "Sie sind geschützter und 'arbeiten' nicht direkt mit dem Opfer zusammen", erläuterte der Präventionsbeamte, der auf digitale Sicherheit spezialisiert ist. Fast immer handelt es sich um grenzüberschreitende Kriminalität, die Internetbetrüger sitzen irgendwo auf der Welt und sind vergleichsweise gut gegen Strafverfolgung abgesichert.

Wenige Anzeigen

Dazu kommt, dass vergleichsweise wenig Betrugsfälle Ermittlern bekannt werden. Bei Waren- und Dienstleistungsbetrügern geht es in den meisten Fällen nicht um Beträge, die den Betroffenen finanziell so weh tun, dass sie sich gleich an die Polizei wenden. 150 oder 250 verlorene Euro sehen viele nicht als Grund für eine Anzeige, zumal oft die Scham reingelegt worden zu sein, im Vordergrund steht.

Die Menge macht‘s

Umgekehrt macht die Menge für die Kriminellen das Einkommen: "Die Täter verschicken die betrügerischen Mails oft gleich an zwei Millionen User. Zehn Prozent von diesen haben locker tatsächlich im Internet bestellt. Und wenn von diesen noch einmal zehn Prozent den Link zum Fakeshop anklicken, sind wir bei 20.000", erläuterte Schweigers Kollege Jörg Kohlhofer.

Vorsicht auch bei renommierten Online-Shops

Dabei ist der Klick auf den Link oft schon die eine Handlung zu viel, und die Schadware − "am schlechtesten ein Trojaner", so Kohlhofer − wird installiert. User sollten übrigens nicht glauben, dass sie bei Angeboten, die angeblich von renommierten Online-Shops stammen, auf der sicheren Seite sind. Auch Seiten von Amazon oder Zalando bauen die Kriminellen nach.

Gesundes Misstrauen schützt vor Schaden

User können sich allerdings, nicht hundertprozentig, aber doch gut, schützen. Der wichtigste Tipp der Kriminalpräventionsbeamten lautet, ein gesundes Misstrauen gegenüber SMS und Mails zu entwickeln. "Die Leute sind leichtgläubig", sagte Schweiger. Dementsprechend sollte man nur bei vertrauenswürdigen Geschäften kaufen, mit denen man bereits gute Erfahrungen gemacht hat.

Achtung bei Rechtschreibfehlern

Ob es sich wirklich um dieses Geschäft handelt, kann man durchaus überprüfen. Zunächst sollte der User kritisch die Frage stellen, ob es überhaupt logisch ist, wegen eines Pakets benachrichtigt zu werden. Ebenso ist es fraglich, ob es sein kann, dass ein Produkt zu sagenhaften Preisen, oft 80 Prozent unter dem sonst üblichen Einzelhandelspreis, verkauft wird. Hinweise auf betrügerische Absichten geben zudem kleine Fehler in den SMS oder Mails, die Rechtschreibung überprüfen kann hier helfen.

 

Auf der sicheren Seite

Potenzielle Online-Shop-Kunden sollen zudem darauf achten, über eine sichere Seite einzusteigen, indem sie in der Adresszeile ein "https:// ..." stehen haben und nicht "http://...". Den Einstieg von einem öffentlichen WLAN ist zu vermeiden. Auf den Seiten sollte die Zertifizierungen, das Impressum und die Handelsregisternummer geprüft werden, unter dem Motto: "Gibt es die Firma überhaupt?", so die Beamten. Nicht zuletzt ist bei im Ausland firmierenden Shops Vorsicht geboten. "Als Beispiel: Wenn ich nur einen Firmennamen mit einer Adresse in Hongkong und dazu noch eine Telefonnummer habe, heißt es Hände weg", sagte Kohlhofer. Echtzeitüberprüfungen gibt es auf der Homepage https://www.fakeshop.at.

Cookies löschen und sicheres Passwort wählen

Schweiger und Kohlhofer wiesen darüber hinaus auf weitere Vorsichtsmaßnahmen hin: Cookies sollten immer gelöscht und der Verlauf geleert werden. Gegen Betrüger ist außerdem die Sicherheit des Passwortes: Enthält es zum Beispiel 20 Ziffern, sollte nicht mehr viel passieren können. Hat ein User den Link in einem Fake-SMS doch angeklickt, womöglich vom eigenen Smartphone, sollte er das Handy in den Flugmodus versetzen oder gleich abdrehen, damit es nicht mehr kommunizieren kann. Dann sollte er zum - vertrauenswürdigen - Fachmann, der ihm vermutlich helfen kann.

Quelle: APA